Seit Anfang September fährt im Rahmen des Projektes MINGA erstmals ein automatisierter MAN-Stadtbus im öffentlichen Münchner Straßenverkehr. Ab November können die ersten Testfahrgäste zusteigen.

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Die Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl ist seit Anfang September die Teststrecke für den automatisierten MAN Lion’s City 12 E. Speziell geschulte Testfahrerinnen und Testfahrer von MAN und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) begleiten den zwölf Meter langen Bus. Sicherheitsfahrpersonal ist während des gesamten Projekts an Bord und kann die Fahrzeugführung jederzeit übernehmen. „Mit den ersten Testfahrten auf der Linie haben wir die kontrollierte Umgebung unseres Werksgeländes verlassen und bringen unser System in den echten Stadtverkehr. Das ist ein enorm wichtiger Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagt Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus.

„Die Linie 178 bietet ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereint unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebieten und Unterführungen“, ergänzt Veit Bodenschatz, Bus-Chef bei SWM und MVG. Vorausgegangen war ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände, von der elektromagnetischen Verträglichkeit bis zur Validierung sämtlicher Funktionen des Fahrsystems. Auf dieser Basis folgten die technischen Prüfungen durch den TÜV; das Kraftfahrt-Bundesamt erteilte die Betriebserlaubnis. „Damit sind alle regulatorischen Voraussetzungen für den Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr erfüllt“, sagt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN.

Alles im Blick: Der Bus ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, mit deren Hilfe eine hochauflösende digitale Karte erstellt wird.
Alles im Blick: Der Bus ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet, mit deren Hilfe eine hochauflösende digitale Karte erstellt wird.

Die Strecke wird digitalisiert

In den kommenden Wochen erfasst der Bus umfangreiche Streckendaten. „Das ist nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt wird“, erklärt Marc Raudszus, Technical Coordinator und Testfahrer bei MAN Truck & Bus. Dafür ist das Fahrzeug mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) ausgestattet. Aus diesen Daten baut Technologiepartner ADASTEC eine hochauflösende digitale Karte auf, in die Ampeln, Zebrastreifen und Fahrspurverläufe eingehen. Sie ist die Grundlage dafür, dass der Bus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig befahren kann.

„Das Fahrzeug wird dabei unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, so Roth. Raudszus ergänzt: „Eine besondere Herausforderung ist neben der Technik auch die Größe des Fahrzeugs. Umso wichtiger ist uns ein vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten. Denn es geht auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.“

Viele Vorteile: Automatisierte Busse können Verkehrsunfälle reduzieren und den Fahrermangel lindern.
Viele Vorteile: Automatisierte Busse können Verkehrsunfälle reduzieren und den Fahrermangel lindern.

Testfahrgäste ab November

Voraussichtlich ab November fährt der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der Linie 178 mit. Dann können ausgewählte Testnutzerinnen und Testnutzer einer geschlossenen Nutzergruppe mitfahren – an Bord sind rund 30 Sitzplätze sowie ein Platz für Rollstuhl oder Kinderwagen. Wer teilnehmen möchte, kann sich unter mvg.de/minga-anmeldung registrieren.

Insbesondere im Stadtverkehr lassen sich durch Automatisierung große Potenziale hinsichtlich Effizienz und Sicherheit erschließen. Automatisierte Busse können dazu beitragen, Verkehrsunfälle zu reduzieren, und sie helfen langfristig, dem zunehmenden Fahrermangel zu begegnen. MAN arbeitet darum seit Jahren an der Automatisierung seiner Fahrzeuge und erprobt neue Technologien in Pilotprojekten. Die Erkenntnisse aus MINGA fließen direkt in künftige Fahrzeuggenerationen ein: MAN plant, in der nächsten Dekade ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug auf SAE-Level 4 auf den Markt zu bringen – für eine urbane Mobilität, die vollelektrisch, vernetzt und automatisiert ist.

„Autonome Mobilität wird Teil unseres Verkehrssystems der Zukunft sein. Entscheidend ist, dass wir sie unter realen Bedingungen erproben und Erfahrungen für den praktischen Einsatz sammeln“, sagt Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr. „Mit dem Start der nächsten Testphase fährt in München erstmals ein autonomer Solobus im öffentlichen Straßenraum.“ 

Teamarbeit: 16 Partner arbeiten daran, den automatisierten Bus in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren.
Teamarbeit: 16 Partner arbeiten daran, den automatisierten Bus in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren.

Das Projekt MINGA

Der Name steht für „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ – und für die bayerische Aussprache des Wortes „München“. Seit 2023 arbeiten 16 Partner aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft daran, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren. Konsortialführer ist das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München, Technologiepartner von MAN ist ADASTEC. Gefördert wird das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr. Weitere Informationen: mvg.de/minga.



Text: Christian Buck
Fotos: MAN

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