Marco schreddert sich zum Erfolg
Er schreddert Festplatten so fein wie Mehl, in seinem Lkw direkt beim Kunden. Marco Thiel hat nach einschneidenden Erfahrungen in seinem früheren Job ein Unternehmen gegründet, das heute bundesweit Daten vernichtet. Eine Geschichte über Kindheitsträume, Stullen vor der Arbeit und die Freude daran, die großen Konzerne zu ärgern.
Marco steht mit sechs Jahren hinten auf einem Müllwagen und weiß: Das ist es. Heute, mit 40 Jahren, führt er von der Eifel aus das Unternehmen sicher-vernichtet.de, das Festplatten und Akten mobil vernichtet – bundesweit, mit fünf Fahrzeugen und einem Team, dessen Mitglieder er alle beim Vornamen kennt. Drei seiner Lkw sind MAN. „Es kommt kein anderes Fahrzeug mehr ins Haus“, sagt er. Aber der Reihe nach.
Vom Müllwagentraum zur eigenen Idee
Die großen Fahrzeuge faszinieren Marco von klein auf. „Als Kind wurden meine Träume wahr, als ich hinten auf einem Müllwagen stehen durfte“, erinnert er sich. 2003 macht er den Lkw-Führerschein – aus echter Begeisterung. „Es macht mir unwahrscheinlich Spaß, neue Städte kennenzulernen.“
Jahre später arbeitet Marco als Fuhrparkleiter bei einem Unternehmen für mobile Akten- und Datenträgervernichtung. Dann wird die Firma von einem US-amerikanischen Konzern übernommen, und vieles verändert sich. „Man war nur noch eine Nummer“, beschreibt Marco die neue Realität. Eigeninitiative? Unerwünscht. Über den Tellerrand schauen? Verboten. „Das hat in mir den Wunsch geweckt, es anders zu machen.“ Am 1. Januar 2016 gründet Marco mit seiner Partnerin sicher-vernichtet.de – mit einem Startkredit der Familie und einem Lkw, den Marco selbst ausbaut. „Was die können, können wir auch“, lautet sein Motto. Drei Jahre später kommt der zweite Lkw dazu, dann der dritte. Heute sind es fünf Fahrzeuge und fünf Mitarbeiter.
Festplatten werden zu Mehl
Das Kerngeschäft ist die mobile Festplattenvernichtung. Bis zu 1.000 Datenträger pro Stunde können die Maschinen schreddern. Von grob bis fein, je nach Schutzbedarf des Kunden. „Wir können Festplatten zu Mehl verarbeiten“, erklärt Marco. Im letzten Jahr hat das Team fast 500.000 Platten vernichtet.
Einmal führt ihn ein Auftrag zu einem Bauernhof in Norddeutschland. Der Ansprechpartner, der 80-jährige Vater des Kunden, empfängt ihn mit den Worten: „So, mi Jung, jetzt gibt es erst mal einen Kaffee und was Ordentliches zu essen.“ Drei Stullen später darf Marco anfangen zu arbeiten. „Das bringt einem immer ein richtiges Grinsen ins Gesicht.“
Und die Zukunft? „Wir wollen ein kleiner Familienbetrieb bleiben. Ich möchte die Fahrer beim Vornamen kennen.“ Es ist genau das, was er sich selbst als Angestellter gewünscht hat und was er heute als Chef lebt. „Ich denke, dass es unseren Betrieb die nächsten zehn Jahre auf jeden Fall noch geben wird“, sagt er. Dann fügt er hinzu, mit einem Lächeln in der Stimme: „Und ich freue mich darauf, wenn ich den Großen weiterhin Konkurrenz machen kann.“
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