Mit viel Finderspitzengefühl durch die Nacht
Jörg Walenzik fährt seit 15 Jahren Schwerlasttransporte für die Aug. Alborn GmbH & Co. KG in Dortmund. Kürzlich hat er 131 Tonnen – eine schwere Flaschenwaschanlage – quer durch das Ruhrgebiet navigiert. Eine Geschichte über Präzisionsarbeit, familiären Zusammenhalt und die Faszination für einen außergewöhnlichen Job.
Wenn Jörg nachts auf der Autobahn unterwegs ist, können sich andere kaum vorstellen, wie viel Konzentration und Planung hinter jedem Kilometer steckt. Der 56-Jährige ist Schwerlastfahrer. Seit 38 Jahren sitzt er hinter dem Steuer eines Lkw und hat gelernt, dass in seinem Job vor allem eines zählt: Ruhe bewahren.
An seinen ersten Schwerlasttransport mit über 100 Tonnen erinnert er sich noch genau: eine Presse für die Automobilindustrie, quer durch Deutschland. „Da hatte ich echt Muffe“, gibt er zu. Ein erfahrener Kollege begleitete ihn und zeigte ihm die wichtigsten Handgriffe. Zwei Nächte dauerte die Fahrt – und legte den Grundstein für alles, was danach kam.
131 Tonnen, 36 Meter, zehn Zentimeter Spielraum
Erst kürzlich bewältigte Jörg einen besonders anspruchsvollen Auftrag: den Transport einer Flaschenwaschanlage mit insgesamt 131 Tonnen Gewicht, 36 Metern Länge und 5,60 Metern Breite. „Auf der A44 gab es eine sechs Kilometer lange Baustelle, in der ich auf jeder Seite nur zehn Zentimeter Platz hatte“, erzählt er. Allein diese Passage dauerte eine halbe Stunde. Seine vierachsige Zugmaschine, ein MAN TGX 41.640, zog dabei eine Kombination aus drei Achsen vorne, einem zwölf Meter langen Bett und fünf Achsen hinten.
Was macht einen guten Schwerlastfahrer aus? „Ruhe und Besonnenheit“, sagt Jörg, ohne zu zögern. „Du musst jederzeit mit Fehlern anderer rechnen. Die kennen das Ausmaß deines Fahrzeuges ja nicht.“ Hinzu kommen technisches Verständnis und jahrelange Erfahrung. „Ein guter Schwertransportfahrer wird nicht geboren. Der muss ausgebildet werden.“ Kurz vor der Fahrt kontrolliert Jörg jeden Hydraulikhahn am Fahrzeug. „Wir haben schon erlebt, dass Hähne verstellt waren. Da kann Fürchterliches passieren.“ Sicherheit hat für ihn oberste Priorität.
Familie auf dem Hof und in der Kabine
Das Unternehmen Alborn ist ein kleines Team, in dem jeder jeden kennt. „Du kannst mit jedem Problem zum Chef kommen“, sagt Jörg. Wenn abends noch etwas zu erledigen ist, packen die Kollegen ganz selbstverständlich mit an. „So etwas findet man heute nicht mehr oft.“
In seiner Kabine dürfen drei Dinge nie fehlen: Kaffee und eine Tüte Haribo-Schaumerdbeeren für die Nachtfahrten – und ein Foto seiner Familie. Zehn Jahre sind es noch bis zur Rente, und Jörg kann sich gut vorstellen, die verbleibende Zeit für Alborn zu fahren.
Trotz aller Anspannung und Verantwortung gibt es für ihn diese besonderen Momente: wenn im Rückspiegel langsam der Morgen dämmert, die Straßen wieder breiter werden und der Transport sicher sein Ziel erreicht. „Dann weißt du, dass sich all die Mühe gelohnt hat und du genau den richtigen Job machst.“