Frank und Heike Krüger aus Koblenz haben ihr Leben hinter sich gelassen. Statt Alltag zwischen Terminen und Routinen leben sie heute unterwegs in ihrem MAN TGM 13.290, den sie „Traveltiger“ nennen. Ein Expeditionsfahrzeug, das für sie mehr ist als nur ein Truck.
Ihr Zuhause hat 290 PS
Irgendwo fernab von Straßenlaternen klappt Frank das Dachfenster auf. Über ihm: ein Himmel voller Sterne. Kein Lärm, keine Termine – nur das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Ein Zuhause auf 13 Quadratmetern
13 Tonnen, Allrad, 290 PS. Für Frank und Heike war schnell klar: Wenn sie einen Lkw ausbauen, dann richtig. Gemeinsam mit einem Ausbaupartner entstand ein Konzept, das auf maximale Freiheit ausgelegt ist. Solarenergie, große Wasser- und Dieseltanks, durchdachte Technik. Ihr Truck funktioniert weitgehend autark. Monatelang unabhängig unterwegs zu sein, ist für die beiden Alltag.
Im Inneren: ein offenes Raumkonzept. Die Krügers haben sich bewusst für ein luftiges „Loft auf Rädern“ entschieden. „Wir wollten keinen Kompromiss, sondern einen Ort, an dem wir uns wirklich wohlfühlen“, sagt Heike.
Freiheit, die Arbeit bedeutet
So sehr ihr Leben nach Freiheit klingt – es ist kein Dauerurlaub. Denn Reisen in dieser Form bedeutet Organisation, Planung und immer wieder Improvisation. Manchmal sind es auch ganz konkrete Herausforderungen: ein festgefahrenes Fahrzeug im Sand, stundenlanges Schaufeln bei über 30 Grad. Oder unklare Situationen bei Polizeikontrollen in Ländern, in denen Regeln nicht immer eindeutig sind.
Während der Corona-Pandemie saßen Frank und Heike sogar zeitweise im Senegal fest. Eine Situation, die Unsicherheit mit sich brachte und zeigte, wie schnell aus Freiheit auch Anspannung werden kann. „Das Leben unterwegs kann anstrengend werden, körperlich und mental“, sagen sie offen.
Warum es sich trotzdem lohnt
Und doch würden sie sich jederzeit wieder so entscheiden. Denn was bleibt, sind die Begegnungen. Menschen, die helfen, ohne zu zögern. Gastfreundschaft, die keine Gegenleistung erwartet. Erfahrungen, die sich nicht planen lassen.
Gerade die Reisen durch Afrika haben ihren Blick auf die Welt verändert. Die Unterschiede zwischen dem eigenen Lebensstandard und den Lebensrealitäten vor Ort sind oft extrem. „Man merkt dann, in welcher Komfortzone wir leben“, sagt Frank. Und Heike ergänzt: „Was uns am meisten überrascht hat, ist die Freundlichkeit der Menschen, selbst dort, wo sie kaum etwas haben.“ Diese Erlebnisse relativieren vieles. Dinge, die früher wichtig erschienen, verlieren an Bedeutung. Dafür wächst etwas anderes: Wertschätzung.
Zwei Leben, die unterwegs zusammenfinden
Dass ihr Alltag funktioniert, liegt auch an dem, was sie mitbringen. Frank war viele Jahre bei der Feuerwehr und als Rettungsassistent tätig – Fähigkeiten, die unterwegs immer wieder gefragt sind. Heike ist Kommunikationsdesignerin und Künstlerin, arbeitet ortsunabhängig und nutzt die Reise auch als kreative Inspiration. Ihr Haus in Koblenz haben sie bewusst behalten. Kein kompletter Bruch, sondern ein Leben zwischen zwei Welten. Und mittendrin:
Unser Traveltiger ist ein Familienmitglied. “
Zwischen Zweifel und Gewissheit
Natürlich gibt es auch Momente, in denen sie ihre Entscheidungen hinterfragen. Die Antwort kommt dann oft in den stillen Momenten. Dann, wenn sie irgendwo stehen, allein, umgeben von Natur. Wenn der Blick in die Weite geht und alles plötzlich ganz einfach wirkt.
Vielleicht ist es genau das, was den Traveltiger ausmacht: Er bringt Frank und Heike nicht nur an neue Orte, sondern immer wieder zu sich selbst. Zu einem Leben, das weniger von Routine geprägt ist, und mehr von Erfahrungen.
Oder, wie sie es selbst sagen: „Das Leben ist Reisen – und das Reisen ist Leben.“
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