Wenn aus alten Lastwagen echte Zeitzeugen werden
Schon als kleiner Junge saß Michael Sudbrock lieber im Lkw als auf dem Rücksitz eines Pkw. Heute fährt der 63-Jährige seit 35 Jahren nebenberuflich Lkw und restauriert historische MAN. Besonders sein MAN F8 liegt ihm am Herzen. Mit viel Geduld, handwerklichem Können und Präzision hat er aus einem alten Lastwagen ein echtes Stück MAN-Geschichte gemacht.
Die Begeisterung für Lastwagen wurde Michael Sudbrock praktisch in die Wiege gelegt. Sein Onkel war Fernfahrer, sein Vater Berufskraftfahrer und ein weiterer Onkel Fernreisebusfahrer. Jede Gelegenheit nutzte der kleine Michael, um mitzufahren. Kein Wunder also, dass die Faszination für das Leben unterwegs früh geweckt war.
Nach der Schule machte Michael eine Ausbildung zum Lkw-Schlosser bei MAN in Detmold. Schon damals war klar, dass ihn diese Fahrzeuge nicht mehr loslassen würden. „Ich habe jedem Lkw hinterhergeschaut und konnte oft schon am Motorgeräusch erkennen, welcher Fahrer oder welcher Lkw gerade vorbeikam“, erzählt er schmunzelnd. Bis heute ist die Begeisterung geblieben. Ob die Größe, die Technik oder die Kraft der Fahrzeuge: Für Michael gibt es kaum etwas Beeindruckenderes. Selbst lange Strecken nach Spanien fährt er lieber mit dem Lkw als mit einem Pkw.
Hinter dem Lenkrad findet er Ruhe
Seit 35 Jahren sitzt Michael neben seinem Hauptberuf regelmäßig hinter dem Steuer. Für ihn ist das Fahren der perfekte Ausgleich. Wenn der Werkstattalltag endet und er in den Lkw steigt, bleibt der Stress zurück. Mal begleitet ihn Musik, mal genießt er einfach die Ruhe. Mit einem Kaffee in der Hand, dem Blick auf die Straße und der Landschaft, die vorbeizieht, kann er abschalten. Gerade auf langen Touren entstehen oft neue Ideen oder Lösungen für Dinge, die ihn beschäftigen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat Michael unzählige Kilometer zurückgelegt und viele Erinnerungen gesammelt. Eine Tour bleibt ihm allerdings besonders im Gedächtnis. Elf Stunden stand er einmal mit seinem Lkw im Stau. Wasser wurde knapp und der Handyakku fast leer. Dieses Erlebnis hat ihm gezeigt, wie wichtig gute Vorbereitung auf langen Fahrten ist. Trotzdem überwiegen für ihn die vielen schönen Momente unterwegs.
Ein MAN F8 mit Geschichte
Zur Restaurierung historischer MAN kam Michael eher zufällig. Ein Freund bat ihn um Unterstützung bei einem alten Lkw. Für den ausgebildeten Lkw-Schlosser war schnell klar, dass er das Projekt gemeinsam angehen möchte. Aus diesem ersten Fahrzeug wurde schließlich eine besondere Verbindung zu historischen MAN. Vor allem sein MAN F8 liegt Michael am Herzen. Der ehemalige Vorführwagen aus der Formel 6 Edition wurde mit viel Akribie und Detailarbeit von ihm so weit wie möglich in den originalen Neuzustand zurückversetzt.
Ich investiere lieber mehr Zeit, als später an einer Stelle vorbeizugehen und zu denken: ‚Hättest du dir damals doch etwas mehr Mühe gegeben. “
Ein Unikat mit sechs Zylindern
Ausgestattet mit dem beliebten Sechszylindermotor und einer Ausstattung, die damals für Vorführzwecke und die Ausbildung von Kraftfahrern im wirtschaftlichen Fahren genutzt wurde, ist das Fahrzeug ein echtes Unikat. Die Restaurierung war alles andere als ein schnelles Projekt. Zunächst wurde der Lkw vollständig zerlegt, jedes Bauteil dokumentiert und der Zustand genau geprüft. Besonders der Innenraum und die Karosserie stellten Michael vor große Herausforderungen. Wasser hatte über Jahre Schäden hinterlassen, Holz war aufgequollen und Rost hatte sich an vielen Stellen ausgebreitet. Aufgeben war für ihn aber nie eine Option. Tausende Arbeitsstunden stecken heute in diesem MAN F8.
Eigentlich wollte Michael nach drei restaurierten MAN Schluss machen. Doch ganz los lässt ihn das Thema nicht. In anderthalb Jahren geht er in Rente und vielleicht wartet dann doch noch ein weiterer MAN darauf, von ihm zurück auf die Straße gebracht zu werden. Bei aller Begeisterung für historische MAN weiß Michael aber auch, dass ein solches Hobby nicht selbstverständlich ist. Tausende Arbeitsstunden, unzählige Samstage in der Werkstatt und sogar einige Urlaubstage flossen in seine Restaurierungsprojekte. Umso wichtiger ist für ihn der Rückhalt seiner Frau. „Natürlich war sie nicht immer begeistert, wenn ich wieder in der Werkstatt war. Aber sie hat mein Hobby immer mitgetragen und war am Ende auch stolz auf das, was entstanden ist.“ Für Michael steht fest: Ohne ihr Verständnis und ihre Unterstützung wären seine Restaurierungen nie möglich gewesen.
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