MAN Truck & Bus

Booster für die Reichweite

Söder steht an einem MAN eTruck

26.03.2024


Premiere des Megawatt-Ladesystems bei MAN: Zum ersten Mal wurde ein eTruck öffentlich mit mehr als 700 Kilowatt und 1.000 Ampere geladen – ein wichtiger Schritt hin zum klimafreundlichen Güterverkehr.

Diesen Augenblick wollte sich auch der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder nicht entgehen lassen: Bei der Premierenveranstaltung Mitte März griff er zum Ladestecker und schloss im Entwicklungszentrum von MAN in München eigenhändig einen eTruck an eine Ladestation an. Das Besondere daran: In der bayerischen Landeshauptstadt feierte ein Megawatt-Ladesystem (Megawatt Charging System, MCS) von ABB E-mobility seinen ersten öffentlichen Auftritt in Deutschland.

Großes Interesse: Bei der MCS-Premiere stellten sich Dr. Frederik Zohm, Dr. Markus Söder, Alexander Vlaskamp und Michael Halbherr (von links) den Fragen der Journalisten.

Zentraler Baustein für die Mobilitätswende

ABB E-mobility und MAN arbeiten seit Jahren zusammen und haben im internationalen Industrieverband CharIN ihr Know-how in den MCS-Standard eingebracht. Das Megawatt-Laden ist ein zentraler Baustein für die Mobilitätswende im Nutzfahrzeugbereich, denn dank der hohen Ladeleistungen lassen sich damit selbst schwere eTrucks in kurzer Zeit nachladen. Entsprechend prominent besetzt war die öffentliche Vorführung: Neben Söder nahmen auch MAN CEO Alexander Vlaskamp, Entwicklungsvorstand Dr. Frederik Zohm und Michael Halbherr, CEO von ABB E-mobility, daran teil.

Der Ladesäulen-Prototyp von ABB E-mobility lieferte bei der öffentlichen Vorführung mehr als 700 Kilowatt (kW) Leistung und rund 1.000 Ampere (A) Strom. Der MCS-Standard sieht sogar 3,75 Megawatt und 3.000 A vor. Zum Vergleich: Heutige Ladesäulen mit dem CCS-Standard (Combined Charging System) können von Pkw und Nutzfahrzeugen genutzt werden, bieten aber nur maximal 400 kW Ladeleistung bei 500 A Strom.

Nachladen während der Ruhezeiten

Die hohe Leistung von MCS ermöglicht es, die Batterien elektrisch angetriebener Lkw innerhalb von nur 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufzuladen. Dadurch können die Fahrer ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten von 45 Minuten nicht nur zum Entspannen, sondern gleichzeitig auch zum Nachladen ihrer Fahrzeuge nutzen. Neben eTrucks profitieren auch elektrisch angetriebene Reisebusse von MCS als Reichweiten-Booster. „Das ist modernste ökologische und ökonomische E-Mobilität, die aus Bayern heraus entwickelt wird“, so Dr. Söder auf der Veranstaltung. „Wir müssen unsere heimische Industrie in die Lage versetzen, im Wettbewerb bestehen zu können. Mit Innovation und Technologie sichert man Zukunft.“

Die große Bedeutung von Innovationen hob auch Halbherr hervor: „Um die Energiewende im Transport zu schaffen, benötigen wir Lösungen, die nachhaltig, zuverlässig und wirtschaftlich sind. Dafür müssen wir integrativ denken und zusammenarbeiten. Auch die heutige Demonstration ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit von MAN und ABB E-mobility und der gesamten Industrie.“

Win-Win-Situation: Während die Fahrer ihre Ruhezeiten wahrnehmen, lädt der eTruck in Zukunft Energie für die weitere Fahrt.

Das ist die modernste ökologische und ökonomische E-Mobilität, die aus Bayern heraus entwickelt wird.

Dr. Markus Söder - Ministerpräsident von Bayern

„Wir brauchen klare Signale der Politik“

Vlaskamp betonte, wie wichtig die MCS-Infrastruktur für die Mobilitätswende bei den Nutzfahrzeugen ist: „Mit klimafreundlichen Fahrzeugen allein ist es nicht getan. Wir brauchen ausreichend Hochleistungs- und Megawatt-Ladestationen, damit die Elektromobilität in Fahrt kommt. Das ist der entscheidende Faktor!“ Ziel seien 30.000 MCS-Ladepunkte in Europa bis 2030, rund 4.000 davon in Deutschland. Für den Aufbau bleibe aber nicht mehr viel Zeit. „Die Elektro-Trucks sind verfügbar, das Megawatt-Charging funktioniert“, so Vlaskamp. „Wir brauchen jetzt klare Signale der Politik, nicht zuletzt, um Vertrauen bei unseren Kunden für die Elektrifizierung aufzubauen. Wir müssen die Infrastruktur jetzt schnell aufbauen und skalieren.“

Erfolgsfaktor Infrastruktur: Die MCS-Technik steht zur Verfügung, jetzt müssen schnell viele Ladepunkte errichtet werden.

Denn wenn große Energiemengen fließen, spielen die Infrastruktur hinter den sichtbaren Ladepunkten, die Netzanschlüsse und der Flächenbedarf – zum Beispiel an den Autobahnrasthöfen, Parkplätzen oder Autohöfen – eine wesentliche Rolle. Der Netzausbau und die Digitalisierung der Netze sind darum nicht nur für die künftige Versorgung mit erneuerbaren Energien essenziell, sondern auch eine entscheidende Voraussetzung für eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur.

Text: Christian Buck

Fotos: MAN